
In ganz Zentraleuropa gibt es keinen Punkt wie hier am Bohlen, wo das große Buch der Erdgeschichte so bequem lesbar aufgeblättert ist.
Herausgesägt hat es die Saale. Faltengebirge, Deckgebirge und quartäre Flußerosion sind hier zu erkennen. Die blank zutage tretenden Gesteine des Oberdevons und älteren Karbons enthalten reichlich Fossilien. Damit ist eine Einordnung in die geologische Zeitskala mit höchster Genauigkeit möglich. Für den Zechstein gab es nie Zweifel an seiner Altersstellung, mühsamer war die Erkenntnis über das Schiefergebirge. Heute kann man die Stratigraphie mittels Leitfossilien, Bank für Bank, präzisieren.
Dabei sind besonders die Alt- Ammoniten mit den Gruppen der Goniatiten und Clymenien und die Trilobiten präzise Zeitanzeiger, zugleich auch Tiefenanzeiger, denn es sind Formen des offenen Meeres. Alles weist darauf hin, dass zu ihren Lebzeiten ein Meer mit etwa 600 bis 800 m Wassertiefe vorhanden war.
Es gibt in Mitteleuropa derzeit auch keinen besseren Aufschluß, wo sich die Grenzlinie zwischen dem Devon und dem Karbon ganz exakt am anstehenden Fels ziehen ließe.
Von rein praktischer Bedeutung ist die Eignung der Gesteine des Oberdevons. Diese sind zumeist Knotenkalke oder Kalkknotenschiefer d.h. Tongesteine, denen mehr oder minder reichlich Knollen von Kalk eingelagert sind. Die Knotenkalke sind technisch wertvolle Gesteine, gut zu bearbeiten und wetterfest.
Sie bilden nicht nur die abwechslungsreichen Steilhänge beiderseits der Saale zwischen Köditz und Fischersdorf, sondern wurden seit langer Zeit im Obernitzer Plattenbruch und im Obernitzer Mühltal abgebaut, zu Gewegplatten und Sockelsteinen verarbeitet oder dienten wie am Gositzfels als Rohstoff für das Saalburger Marmorwerk.
Im Plattenbruch am Bohlen wurden noch 1938 jährlich 11000 m³ Werkstein gewonnen. Er wurde im Zweiten Weltkrieg stillgelegt.
Am Saaleknie zwischen Obernitz und Fischersdorf befindet sich das kleine Landschaftsschutzgebiet Gleitsch.
In seinem Zentrum liegt der Berg Gleitsch, eine steile Kuppe auf einem Sporn des Roten Berges, der hier sein südöstliches Ende findet. Er erstreckt sich von der Hochfläche des Schiefergebirges zum Saaletal und wird im Westen, Süden und Osten von der Saale umflossen.
Mit 403 m ü. NN überragt der Gipfel die Saalaue um
ca. 180 m. Vom Gipfel aus hat man einen wunderschönen Blick in das Saaletal.
Direkt am Aussichtspunkt befindet sich die sogenannte Teufelsbrücke, Überreste einer prähistorischen Höhle.
Zum LSG gehören auch eine keltische Wallanlage aus der Latenzeit, sowie Wohnhöhlen aus der späten Altsteinzeit.
Ebenfalls interessant ist der Gositzfelsen östlich von Fischersdorf, welcher sich direkt am Gleitsch befindet.
Hier sind in einem Steinbruch eindrucksvolle Faltenbildungen im Knotenkalk des Devons aufgeschlossen.
Der Steinbruch ist nicht mehr in Betrieb.
Der Gositzfelsen ergänzt in idealer Weise den 2km nördlich gelegenen Aufschluss des Bohlens.
Was jener im Querschnitt des gefalteten Schiefergebirges bietet, zeigt dieser in der Längsstreckung, herausmodelliert
durch die Saale. Selbige hatte beim stufenweisen Ein-
schneiden das Hindernis vorgefunden und war gezwungen, etwa 1 km an seinem Fuße entlang zu fließen. Erst zwischen Weischwitz und Reschwitz, wo das Sattelgebirge flacher wird, war der entgültige Durchbruch des Flusses nach Norden ins thüringer Becken möglich.
Der Gositzfelsen ist ein besonders schön aufgeschlossenes Schotterlager über Kulmschiefer.